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„Ich will doch nur helfen“: Wann Eltern sich zu sehr ins Leben ihrer Teenager einmischen

Mutter umarmt Tochter von hinten und schaut dabei heimlich auf das Handy der Tochter.
© Getty Images/ Kala Moments

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Wann wird unsere elterliche Fürsorge eigentlich zur Kontrolle und wir mischen uns viel zu sehr ein? Diese Fragen zeigen, ob du deinem Teenager wirklich hilfst oder vor allem deine eigenen Sorgen beruhigst.

Ich bin schnell dabei, wenn ich das Gefühl habe, dass eines meiner Kinder Hilfe braucht. „Lass mich dir helfen“ und „Kann ich helfen?“ kommen mir einfach über die Lippen. Klingt ja auch gut. Nach Mutterliebe, Fürsorge und Verantwortung.

Aber in letzter Zeit hab ich mich doch dabei erwischt, dass der Satz oder die Frage eher eine Ausrede war, um Dinge zu beschleunigen, Ärger zu vermeiden oder Enttäuschungen zu verhindern. Aber gar nicht in erster Linie für mein Kind, sondern dabei ging es viel mehr um mich.

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Mir ist bewusst geworden, dass ich meine Hilfe manchmal anbiete, weil ich etwas nicht aushalte. Einen Fehler, der ganz einfach vermeidbar ist, eine Entscheidung, die ich für falsch halte oder einfach die Wahrheit darüber, dass meine Kinder nicht mehr klein sind und ich nicht alles kontrollieren kann.

Aber genau das versuche ich hin und wieder, wenn ich meine Hilfe anbiete und mich einmische. Und das ist gar keine Fürsorge, sondern mein Versuch der Kontrolle.

Ich bin überzeugt, zu wissen, was besser ist

Denn ich weiß es besser, meistens zumindest. Was ja auch irgendwie normal ist, weil ich mehr Lebenserfahrung habe. Allerdings weiß ich es vielleicht für mich besser, aber nicht für meine Kinder. Ich sehe vielleicht eine Lösung, wenn mir eines meiner Kinder von einem Problem erzählt, aber ist das auch die richtige Lösung für mein Kind?

Ich habe gemerkt, dass es mir sehr schwerfällt, wenn meine Kinder trotz meiner ‚Hilfe‘ und Vorschläge nach ihrem eigenen Kopf handeln. Ihre Entscheidung zu akzeptieren ist, was mir manchmal Probleme bereitet, denn ich bin viel öfter überzeugt, die bessere Entscheidung zu kennen. Und genau dann mische ich mich zu sehr ein.

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Ich möchte Probleme lösen, die nicht meine sind

Ich fühle mit, wenn es meinen Kindern nicht gut geht, weil sie Ärger haben, Streit oder weil jemand sie mies behandelt hat. Und dann möchte ich die Situation in Ordnung bringen oder sie irgendwie leichter machen. Also beginnt mein Kopf sofort zu arbeiten: Was könnte er/ sie jetzt tun? Was sollte gesagt werden? Wie kann man die Situation wieder in Ordnung bringen?

Die eigentliche Frage stelle ich mir dabei zu selten: Ist das überhaupt mein Problem? Denn es gibt einen großen Unterschied zwischen Anteilnahme und Zuständigkeit. Ich kann nämlich auch mitfühlen, ohne die Situation an mich zu reißen.

Ich möchte Konsequenzen verhindern

Als Eltern ahnt man oft, das etwas schiefgehen wird. Wenn der Teen eine Sache aufschiebt und man weiß, dass er später mehr Stress haben wird. Wenn er eine Entscheidung fällt, die ich für unklug halte, sehe ich mögliche Probleme. Wenn er sich auf jemanden verlässt, dem ich nicht besonders vertraue, mache ich mir Gedanken.

Und dann könnte ich warnen. Und noch mal nachfragen. Ich könnte erinnern und argumentieren. Oft möchte ich dadurch aber nicht nur verhindern, dass mein Kind eine schlechte Erfahrung macht. Ich möchte mit meinem Eingreifen verhindern, dass ich dabei zusehen muss.

Weil es nämlich unangenhm ist, wenn das eigene Kind einen Fehler macht, den man vorhergesehen hat. Und noch unangenehmer ist es, wenn man nichts dagegen tun kann. Also greife ich ein und nenne es Hilfe.

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Ich möchte wissen, was passiert ist

Erzählt einem das Kind von Streit oder Problemen, ist man schnell bei der Ursachenforschung. Man möchte genau wissen, was passiert ist. Und natürlich ist das Interesse an meinem Kind und seinem Leben nichts Schlechtes. Aber manchmal wird aus Interesse auch das Bedürfnis nach Kontrolle.

Warum muss ich das alles wissen? Eine für mich mittlerweile hilfreiche Frage. Denn nicht alles, was ich wissen möchte, muss ich auch wissen.

Ich verwechsle Vertrauen mit Kontrolle

Ich kann meinen Kindern natürlich sagen, dass ich ihnen vertraue. Aber wenn ich gleichzeitig jede Entscheidung kommentiere, jede mögliche Konsequenz vorwegnehme und wissen möchte, wie sie was genau geregelt haben, ist mein geäußertes Vertrauen nicht sonderlich glaubwürdig.

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Vertrauen bedeutet ja nicht, dass ich davon ausgehen kann, dass meine Kinder immer die richtige Entscheidung treffen. Das ist doch etwas unrealistisch.

Vertrauen bedeutet eher, dass ich meinen Kindern zutraue, mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen umgehen zu können. Und da wird es oft schwierig für mich. Denn wer möchte nicht, dass die eigenen Kinder direkt vernünftige Entscheidungen treffen?

Ich halte meine Kinder für weniger selbstständig, als ich glaube

Ich erinnere oft, frage nach, sichere ab, korrigiere und biete Lösungen an. Und damit vermittle ich ungewollt etwas anderes als ich eigentlich möchte. Nämlich das ich nicht glaube, dass sie’s alleine schaffen. Dabei sage ich wahrscheinlich genau das Gegenteil.

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Ich möchte natürlich, dass meine Kinder selbstständig sind, eigene Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Das klappt aber alles nicht, wenn ich immer sage oder zeige, wie es vermeintlich besser geht. Ich muss mir deshalb zutrauen, dass ich nicht ständig gebraucht werde und schon gar nicht ständig alles im Griff haben muss.

Was passiert, wenn ich nichts tue?

Dass meine Kinder Fehler machen? Enttäuscht werden? Dass andere schlecht über sie denken? Dass Dinge nicht so laufen, wie ich sie mir vorgestellt habe? Dass ich später denke: Ich hätte doch etwas sagen/ machen müssen.

Wenn ich mir diese Fragen so stelle, ist mir eigentlich sehr bewusst, dass mein Eingreifen mehr mit meinen Unsicherheiten zu tun hat als mit der Situation meiner Kinder. Ich muss also unbedingt aufpassen, dass ich meine Ängste nicht als Fürsorge verkaufe, vor allem mir selbst gegenüber.

Einmischen ist auch nicht immer falsch

Meine Teenager sind noch nicht erwachsen. Es gibt also noch viele Dinge für die ich, oder besser wir als Eltern, Verantwortung tragen und deshalb Grenzen setzen müssen. Sich grundsätzlich aus allem herauszuhalten ist deshalb auch kein guter Plan.

Aber ich muss für mich lernen, zu unterscheiden, wann meine Kinder mich wirklich brauchen und wann ich es brauche, etwas zu tun. Und vermutlich werde ich das nicht immer schaffen. Aber vielleicht reicht es schon, erst mal innezuhalten, wenn eines der Kinder mich vermeintlich braucht und mich zu fragen, warum ich gerade etwas tun möchte oder warum ich möchte, dass meine Kinder etwas tun (wie ich es möchte). Und das hilft mir hoffentlich dabei, zu erkennen, ob ich die Situation einfach nur kontrollieren will oder wirklich meine Hilfe erforderlich ist.

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