Adipositas ist in unserer heutigen Gesellschaft keine Seltenheit. Nimmt man die Daten des Robert Koch-Instituts sind 46,6 Prozent der Frauen und 60,5 Prozent der Männer ab 18 Jahren übergewichtig. Jede fünfte Person leidet unter Adipositas.
Die Gründe können vielfältig sein, wie z.B. eine falsche Ernährungsweise, hormonelle Störungen, genetische oder psychische Faktoren oder bestimmte Medikamente. Häufig sind mehrere Ursachen miteinander verknüpft.
Viele Menschen leiden unter ihrem starken Übergewicht. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Denn das Gefühl zu scheitern und machtlos gegen den Zeiger an der Waage zu sein, kann jeden Tag zum Kampf machen. Für Betroffenen fühlt sich das dann so an, als würden sie gegen eine Wand anrennen.
Wenn die Gedanken die größte Problemzone sind
Die Folge des Scheiterns: Der Glaube an sich selbst schwindet. Selbstliebe wird zum raren Gut und der eigene Körper zum Feind. Zudem leiden viele Menschen nicht nur unter ihrem starken Übergewicht, sondern sie sind auch Opfer von Fat Shaming, also werden aufgrund ihres Gewichts diskriminiert.
In unserer Gesellschaft ist immer noch viel zu oft das Körpergewicht mit Dingen wie Disziplin, Leistungsfähigkeit und Wert verknüpft. Menschen mit Adipositas wird oftmals unterstellt, einfach nur zu wenig Willen zu haben, faul und undiszipliniert zu sein.
Dieses Denken steht im krassen Widerspruch zum realen Alltag vieler Menschen mit Übergewicht, vor allem vieler Frauen, die meist den Spagat zwischen Job und Familie meistern, die Care Arbeit leisten, die es gewohnt sind, an jeden Menschen in ihrer Nähe zu denken, nur nicht an sich. Meist ist alles andere wichtiger, nur man selbst nicht. Da wundert es nicht, dass viele mit ihren Abnehmplänen nicht weiterkommen oder immer wieder scheitern.
Wie also können Frauen mit starkem Übergewicht dagegen angehen und ihren Weg zu mehr Selbstvertrauen und mehr Gesundheit finden? Hier ein paar wichtige Gedanken und Glaubenssätze, die dir und anderen Betroffenen einen Weg aufzeigen können:
Glaubenssatz Nr. 1: Selbstliebe wiederfinden und ein klares NEIN zu negativen Gedanken
Manchmal hilft es hier, den Druck rauszunehmen. Niemand sollte das Gefühl haben, einem wie auch immer gearteten Schönheitsideal entsprechen zu müssen. Deshalb mach dir immer bewusst: „Jeder Körper ist unterschiedlich und toll“. Und zudem: „Dein Körper ist dein Freund, nicht dein Feind.“
Das zu verinnerlichen und ein positiveres Körperbild wiederzufinden ist sicher nicht von jetzt auf gleich machbar, aber lässt sich in vielen kleinen Schritten erreichen. Es sollte deine Mission sein, dich wieder mehr eins mit deinem Körper zu fühlen, ihn als Verbündeten und als Geschenk zu sehen.
Versuche dafür jedes Mal, wenn du negativ über deinen Körper denkst, wenn du glaubst zu versagen, zu dir selbst NEIN zu sagen. Oder STOP. Oder was auch immer dir hilft. Unterbrich den Kreis der negativen Gedanken, und versuch in diesen Momenten stattdessen deiner negativen Sicht etwas Positives entgegenzusetzen.
Auch ein bewusstes NEIN zu Gesprächen, die nur um Diäten und Körperkritik kreisen, kann dir helfen aus der negativen Gedankenspirale herauszukommen.
Glaubenssatz Nr. 2: Selbstfürsorge ist kein Egoismus
Frauen und vor allem Mütter stehen oft unter dem Druck, stark zu sein, nicht zu klagen und gleichzeitig Vorbild zu bleiben. Doch jemand, der mit sich selbst nicht im Reinen ist, vermittelt das auch seinem Umfeld und seinen Kindern. Aber wie lernt man wieder Selbstakzeptanz oder noch besser: Selbstliebe?
Oft scheitert es schon daran, dass man es irgendwie nie schafft, sich ein und sei es noch so kleines Zeitfenster im Alltag nur für sich zu nehmen. Aber es ist wichtig, dass du dir sagst: Ich darf mich selbst wichtig nehmen. Ich darf mir Zeit für Bewegung nehmen, die Freude macht, für Essen ohne Schuldgefühle und für Pausen ohne Rechtfertigung. Dein Ziel: dich wieder in deinem eigenen Körper wohlzufühlen – mental wie körperlich.
Die Botschaft sollte also sein: Du darfst dir Zeit für Selbstfürsorge nehmen. Nur so kannst du das Projekt abnehmen und gesünder leben wirklich angehen. Extremes Übergewicht ist nicht gesund und schränkt die Lebensqualität im Alltag ein. Nur du weißt, wie groß der Leidensdruck jeden Tag ist. Deshalb nimm dich und dein Anliegen, etwas zu ändern, wichtig, und fordere diese Zeit auch für dich ein.
Glaubenssatz Nr. 3: Motivation und Energie finden – auch im eigenen Umfeld
Wer schon viele erfolglose Abnehmversuche hinter sich hat, wird es zunehmend schwerer haben, sich zu einem erneuten Versuch zu motivieren. Aber gerade Menschen, die hier resigniert haben, soll gesagt sein: Ihr schafft das.
Wichtig ist es vor allem, dass ihr zum einen bereit seid, Energie in euer Projekt zu investieren. Und zwar so viel wie nötig und nicht nur so viel, wie ihr in eurem viel zu vollen Alltag an Zeit abzweigen könnt.
Punkt 2: Viele Menschen mit Übergewicht versuchen, sich ihren inneren Kampf gegen Pfunde, Scham, Frust und niedriges Selbstwertgefühl nicht anmerken zu lassen. Aber natürlich sehen Familie und Freunde mehr, als man denken mag.
Es ist deshalb wichtig, dass ihr euch von eurem Umfeld helfen lasst. Starkes Übergewicht zu bekämpfen braucht einen langen Atem und viel Energie. Und meist ist man zu sehr in der Routine des Alltags verhaftet. Zu groß ist oft der Stress, der sich dann in fehlenden Pausen, fehlender Bewegung und fehlender Kraft niederschlägt.
Du brauchst also ein Umfeld, das dich supportet in deinem Vorhaben und dir auch mal den Rücken freihält. Deine Superpower steckt in dir selbst – aber auch in deiner Familie, deinem Umfeld und Freunden.
Glaubenssatz Nr. 4: Nutz das Wissen der Expert*innen – Hilfe und Rat anzunehmen ist ok
Ebenso wichtig, wie im eigenen Umfeld Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen, sollte es auch sein, ärztliche, therapeutische und, wenn nötig, medikamentöse Unterstützung als wichtigen Schritt zu sehen. Welcher Schritt hier für dich in Frage kommt, wirst allein du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin entscheiden.
Aber ganz wichtig: Wer unter starkem Übergewicht leidet, darf sich Hilfe holen und vor allem darf er sich professionellen Rat holen. Gerade wer schon viel versucht hat, um abzunehmen und einen langen Leidensweg von Abnehmversuchen, Jojo-Effekten und Scheitern hinter sich hat, sollte den Rat und die Expertise von Profis nutzen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Die Stärke, etwas für sich und seinen Körper zu tun und alle Hebel dafür zu nutzen.
Glaubenssatz Nr. 5: Gemeinsam mit anderen Betroffenen schaffst du mehr
Ein weiterer wichtiger Glaubenssatz, den Menschen mit extremem Übergewicht verinnerlichen sollten: Ich bin nicht allein und gemeinsam ist man stärker – auch wenn es darum geht, seine Essens- und Lebensgewohnheiten neu für sich zu finden.
Wenn man Freund*innen von seinem Vorhaben erzählt, denen es ähnlich geht, schafft man sich zum einen Verbündete, man kann sich gegenseitig motivieren und anstacheln. Ein weiterer Vorteil: Hat man sein Vorhaben einmal klar ausgesprochen, fühlt man sich eher dazu verpflichtet, auch durchzuhalten.
Zumindest kann man seine guten Vorsätze nicht so schnell wieder klammheimlich begraben. Denn hier ist jemand, dem es ähnlich geht und der auch deinen Support und deine Stärke braucht, um durchzuhalten. Das wird beiden Seiten Halt geben – auch in Momenten, wo man vielleicht alles hinwerfen möchte. Auch da helfen Sparringspartner*innen.
Bleibt nur noch zu sagen: Wir drücken dir ganz fest die Daumen, dass dir unsere Gedankenanstöße und Glaubenssätze bei dem Erreichen deiner Wünsche und Ziele helfen werden.

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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder akute Beschwerden auf, solltet ihr eure Ärztin oder euren Arzt kontaktieren oder in der Apotheke um Rat fragen. Über die bundesweite Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar.
